Sonderausstellung

Sonderpräsentation

Triumph des Ornaments – Italienische Seidengewebe des 15. Jahrhunderts

26. April bis 8. November 2015

Im 15. Jahrhundert erreichte die italienische Seidenweberei ihren ersten grossen Höhepunkt. Städte wie Lucca, Venedig oder Florenz stiegen zu führenden Orten für den Handel und die Herstellung kostbarer Gewebe auf. Sie traten in Konkurrenz zu den traditionellen Zentren der Seidenweberei im Vorderen Orient, in Persien und China, die sie an technischer und künstlerischer Innovationskraft schon bald übertrafen. Es entstanden neuartige Muster von ungeheurer Dynamik, Ausdruckskraft und Monumentalität, die bis heute zu den grossartigsten Leistungen der europäischen Ornamentkunst überhaupt gehören.

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Neuartige Muster Auslöser des Wandels war die Samtweberei, die im 15. Jahrhundert den führenden Rang einnahm. Bei ihr wurde das Muster nicht durch den Schuss, sondern mit den Kettfäden erzeugt. Damit setzte auch künstlerisch ein Wandel ein. Die Ausrichtung des Ornaments verlagerte sich von der Breite in die Höhe, die Formen steigerten sich ins Monumentale. | Goldbroschierter Samt mit diagonalen Wellenranken, Italien, 1430–1440, Inv. Nr. 1976

Meisterhafte Technik Der technische und materielle Aufwand, der bei den Samten getrieben wurde, war ungeheuer. In verschiedenen Farben gewebt und mit Ziereffekten unterschiedlichster Art und Wirkung übersät, verbanden sie höchste Kostbarkeit mit grosser künstlerischer Phantasie und handwerklicher Perfektion. | Samt mit eingewebten Goldfäden und -schlaufen, Italien, 1470–1480, Inv. Nr. 2767

Faszinierender Glanz Die stärkste Faszination ging von den sog. Samtgoldstoffen aus – Samte, bei denen nicht nur weite Teile des Musters, sondern auch der gesamte Hintergrund mit Goldfäden gewebt sind. Das Gold nimmt nahezu die gesamte Oberfläche ein, während der farbige Flor aus Seide nur für einzelne Linien und Motive verwendet ist. | Goldbroschierter Samt mit Wellenranken, Italien, 1450–1470, Inv. Nr. 525

Begehrter Luxus Die Herstellung kostbarer Gewebe war kompliziert, zeitaufwendig und teuer. Ihr Besitz blieb höchsten gesellschaftlichen Kreisen vorbehalten. Sie waren Statussymbol, Luxusgut und Standesmerkmal zugleich, dienten als Prunkgewänder für den kirchlichen und weltlichen Gebrauch ebenso wie als Schmuck von Thronen und Altären. | Messgewand aus zwei goldbroschierten Samtgeweben, Italien, 1460–1470 (Seitenteile), 1470–1480 (Mittelteil), Inv. Nr. 630

Künstlerische Eigenständigkeit Während Skulptur und Malerei der italienischen Renaissance durch Wirklichkeitsnähe und Naturbeobachtung geprägt sind, wird die Seidenweberei von entgegengesetzten künstlerischen Vorstellungen geleitet. Um 1500 – auf dem Höhepunkt der Renaissance – zeigt sie flächenhafte, völlig stilisierte Formen von grösster Pracht und Eleganz. | Mehrfarbiger Samt mit Früchten, Blüten und diagonalen Ranken, Italien, um 1420, Inv. Nr. 5288