Sonderausstellung

Sonderpräsentation

Hülle und Zier – Mittelalterliche Textilien im Reliquienkult

27. April bis 9. November 2014

Reliquien sind körperliche Überreste von Heiligen, Gegenstände, mit denen sie in Berührung kamen, oder auch Andenken an die Stätten des Wirkens und Leidens Jesu. Als materielle Zeugnisse des Glaubens erfuhren sie im christlichen Mittelalter höchste Wertschätzung. Sie wurden gesammelt, verschenkt, gehandelt, zur Verehrung ausgestellt und in Edelmetallschreinen geborgen. Textilien spielen im Umgang mit Reliquien eine grosse Rolle. Ob ganze Heiligenleiber oder Knochensplitter – immer waren sie in den Schreinen oder Reliquiaren in Stoffe gehüllt, verschnürt und meist mit einer identifizierenden Beschriftung versehen. Auch Gewänder von Heiligen wurden zu Reliquien und überdauerten, sorgsam verwahrt, die Jahrhunderte.

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 Die Textilien aus dem Hildesheimer Godehardschrein wurden 2009 geborgen und seither in der Abegg-Stiftung konserviert. Auch die Stoffe aus dem Candidusreliquiar in Saint-Maurice wurden bisher nie öffentlich gezeigt. Nach der Sonderausstellung 2014 in Riggisberg kehren die Textilien nach Deutschland bzw. ins Wallis zurück. | Reliquien und Textilien aus dem Schrein des hl. Godehard werden von einer Textilrestauratorin sorgfältig voneinander getrennt.

Ein historisch verbürgter Heiliger Bischof Godehard von Hildesheim starb hochbetagt im Jahre 1038. Er wurde in seiner Amtskleidung standesgemäss in der Domkirche bestattet. Nach seiner Heiligsprechung 1131 wurden nicht nur seine Gebeine in einen Schrein überführt, sondern auch seine Grabgewänder. So blieben sie erhalten. | Detail der Dalmatika aus dem Grab Bischof Godehards von Hildesheim (gest. 1038), Seidengewebe, Byzanz, frühes 11. Jahrhundert, Hildesheim, DomMuseum, Inv. Nr. D 2009-4b.01

Prachtvolle Ausstattung Im Schrein des heiligen Godehard lagerten die Reliquien, verpackt in fünf Bündel. Als Hülltücher dienten Seidengewebe mit grossformatigen Mustern oder weisse Leinengewebe. Auch der Schrein selbst war in seinem Inneren mit einer ganzen Stoffbahn eines spanischen Seidengewebes kostbar ausgekleidet. | Vogelstoff, Spanien, frühes 12. Jahrhundert, Hildesheim, DomMuseum, Inv. Nr. D 2009-4d

Die Bernward-Kasel Das Messgewand aus einem prachtvollen byzantinischen Seidengewebe war wohl eine Schenkung Bischof Bernwards von Hildesheim (gest. 1022) an seine Klostergründung. Nach seiner Heiligsprechung wurden immer wieder Stückchen des Seidenstoffes abgeschnitten und als Reliquien verschenkt. | Bernward-Kasel, Seidengewebe: Naher Osten (Byzanz?), Anfang 11. Jahrhundert, Hildesheim, DomMuseum, Inv. Nr. DS 83

Eine Vielfalt von Reliquienhüllen Das Kopfreliquiar des heiligen Candidus im Schatz der Abtei Saint-Maurice enthält nicht nur seine Schädelreliquie. Zahlreiche Reliquienpartikel von weiteren Heiligen fanden sich ebenfalls darin. Alle waren sie eingehüllt in Stoffstücke, von denen einige aus der Gründungszeit der Abtei im frühen 6. Jahrhundert stammen. | Blaue Seidenkappe, 12. Jahrhundert (?), Abtei Saint-Maurice

Vom Kult- zum Forschungsobjekt Der ehemalige Reliquienschatz der Braunschweiger Stiftskirche St. Blasii wurde im 19. Jahrhundert erstmals wissenschaftlich publiziert. Damals wurden die schönsten Stoffe zu Forschungszwecken «cartoniert» und gesondert verwahrt. 2005 konnten sie von der Abegg-Stiftung an einer Auktion erworben werden. | Seidengewebe mit starkfarbigem Streifenmuster, Italien oder Spanien (?), 13. Jahrhundert, Montage: um 1890, Inv. Nr. 5478

Ein Reliquienarrangement Eine kleine Sammlung von Abschnitten berühmter Textilreliquien wurde um 1900 liebevoll auf einem Kartonplättchen zusammengestellt und sorgfältig beschriftet. In einem Rahmen gefasst, dienten sie vielleicht der privaten Andacht. | Arrangement von vier Textilreliquien, diverse Gewebe aus Seiden- und Metallfäden, 9.–14. Jahrhundert, Montage: um 1900, Benediktinerkloster Mariastein