Sammlung

Alter Orient

Ägypten und der Alte Orient prägten sechstausend Jahre antiker Kultur

Die ältesten Objekte der Sammlung Abegg stammen aus Ägypten und dem Alten Orient. Sie entstanden in den Epochen vom 6. Jahrtausend bis zum 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Vor allem die in kultisch-rituellen Handlungen verwendeten Gefässe und Figuren zeichnen sich durch wertvolle Materialien, Formenreichtum und kunstvolle Bearbeitung aus.

Doppelkopfgefäss

Seit dem ausgehenden 7. Jahrtausend entwickelte sich im Südwesten Anatoliens eine vielfältige jungsteinzeitliche Kultur. Ihren bedeutendsten Ausdruck fand sie in kunstvoll gearbeiteten Tonwaren, die den Beginn der technisch hochstehenden Gefässkeramik des Mittelmeerraums bezeichnen. Eine Besonderheit stellen bemalte Gefässe in Menschengestalt dar. Hüfte und Oberschenkel werden durch den weit ausladenden Bauch des Gefässes verkörpert. Die Arme sind als Henkel geformt, die Ausgüsse bilden das Gesicht. | Anatolien, 5900–5600 v. Chr., Irdenware, bemalt, H. 32 cm, Inv. Nr. 3.113.72

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Kopf eines Idols

Auf der Grundlage von Landwirtschaft, Fischfang und Metallbearbeitung entfaltete sich im 3. Jahrtausend v. Chr. auf der Inselgruppe der Kykladen im Ägäischen Meer eine bedeutende bronzezeitliche Kultur. Sie zeichnete sich künstlerisch durch die hochentwickelte Fähigkeit zur Marmorbearbeitung aus. Zu den charakteristischsten Erzeugnissen der frühen Kykladenkultur gehören figürliche Idole mit stark stilisierten Körperformen, die teilweise nahezu Lebensgrösse erreichten. Sie wurden wohl vor allem im Grabkult verwendet. | Kykladen, 2700–2400 v. Chr., Marmor, H. 16 cm, Inv. Nr. 10.58.66

Falke

Der Falke ist eines der wichtigsten göttlichen Tiere Ägyptens. Er verkörpert den Himmelsgott Horus und dessen Stellvertreter auf Erden, den König. In der späten Pharaonenzeit gewann die kultische Verehrung der Falken immer grössere Bedeutung. Die Tiere wurden kunstvoll mumifiziert und auf eigenen Friedhöfen bestattet. In Grabkammern und Tempeln wurden vielfach auch Bronzefiguren der Tiere als Weihegeschenke niedergelegt. | Ägypten, 7.–4. Jahrhundert v. Chr., Bronzehohlguss, graviert, H. 19 cm, Inv. Nr. 10.19.63

Steingefäss

Im 3. Jahrtausend v. Chr. erreichte die Herstellung von Steingefässen im Alten Ägypten einen unübertroffenen Höhepunkt. Die kunstvoll gearbeiteten Gefässe dienten zur Aufnahme kostbarer Salben und Essenzen. Sie wurden sowohl im religiösen Kult als auch für Medizin und Kosmetik verwendet. Viele waren darüber hinaus mit Inschriften versehen, die ihnen den Charakter eines Festgeschenks verliehen. Der kleine Alabasterbecher trägt den Namen des Königs Pepi I. und wurde zum einjährigen Regierungsjubiläum des Königs gestiftet. | Ägypten, um 2250 v. Chr., Alabaster, H. 14 cm, Inv. Nr. 6.31.68

Knopfbecher

Schon im 3. Jahrtausend v. Chr. entwickte sich in den metallreichen Bergregionen im Westen und Nordwesten des Iran die Kunst der Metallverarbeitung. In der frühen Eisenzeit, etwa ab 1300 v. Chr., setzte die Herstellung von Metallgerät in grossem Umfang ein. Es entstand eine Fülle verschiedener Schmuckformen und Gerätetypen, die von lokalen Werkstätten gefertigt wurden. Unter den Gefässen nehmen die sog. Knopfbecher eine besondere Stellung ein. Ihr figürlicher Schmuck lässt Einflüsse der assyrischen und babylonischen Hofkunst erkennen. | Iran, 10.–9. Jahrhundert v. Chr., Bronze, getrieben, H. 12,5 cm, Inv. Nr. 8.194.72

Goldband

Das Goldband besteht aus feinsten Drahtösen, die zu Doppelschlaufen gebogen und zu langen Ketten miteinander verbunden sind. Die nebeneinander liegenden Kettenglieder werden jeweils durch quer verlaufende Drahtschlaufen zusammengehalten. Die Enden sind mit Drahtflechtbändern und kleinen Dreiecken in Granulationsarbeit verziert. Das Band diente wohl als Teil eines Gürtels, der durch Stoff- oder Lederstreifen ergänzt und verschlossen werden konnte. | Iran, 8.–7. Jahrhundert v. Chr., Golddraht, Granulation, L. 49,5 cm, B. 4,5 cm, Inv. Nr. 8.121.65

Geflügelter Genius

Das Relieffragment stammt aus dem Palast des assyrischen Königs Assurnasirpal II. (883–859 v. Chr.) in Nimrud im nördlichen Irak. Es zeigt den Kopf eines Schutzgottes, der zur Begleitung des Königs bei rituellen Handlungen gehört. Der Genius ist mit Flügeln versehen und trägt einen gehörnten Helm. Haupt- und Barthaar sind in Locken gedreht. Ein zylindrischer Ohring und eine Halskette dienen als Schmuck. In Nimrud waren nahezu alle Innenräume des Palasts mit reliefierten oder bemalten Alabasterplatten ausgekleidet. | Nimrud, 883–859 v. Chr., Alabaster, H. 59 cm, B. 62 cm, Inv. Nr. 12.2.63

Rhyton

Für Trankopfer vor den Götterbildern oder beim festlichen Mahl verwendete man im Alten Orient häufig kostbare Gefässe. Besonders beliebt waren Becher in Gestalt von Tieren oder Tierköpfen. Das Lapislazuligefäss ist oben mit einer Einfüllöffnung und vorn mit einem kleinen Ausguss versehen, durch den die Flüssigkeit in eine Trinkschale geleitet werden konnte. Die Kostbarkeit des Materials und die strenge Stilisierung der Formen sind charakteristisch für die iranische Kunst unter der Herrscherdynastie der Achaemeniden. | Iran, 6.–5. Jahrhundert v. Chr., Lapislazuli, Gold, H. 18 cm, Inv. Nr. 6.7.63

Seidenstrasse

Die Anfänge der Seidenstrasse lagen in China und in der Wüste Zentralasiens

Textilien der Seidenstrasse sind seit rund zwanzig Jahren ein Forschungs- und Sammlungsschwerpunkt der Abegg-Stiftung. Die Bodenfunde aus zentralasiatischen und nordchinesischen Wüstengebieten – sie stammen aus dem 4. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung – illustrieren, mit welchem Geschick und Sachverstand schon damals aufwendig gemusterte Stoffe hergestellt werden konnten. Der meist sehr farbenprächtige Dekor zeigt gern fantastische oder naturalistische Tierdarstellungen.

Opfergefäss

In der chinesischen Frühzeit kam dem Ahnenkult herausragende Bedeutung zu. Herrscher- und Adelsfamilien betrieben die Verehrung ihrer Vorfahren mit enormem Aufwand. Das kostbare Bronzegefäss diente zur Aufnahme von Speisen, die den Ahnen als Opfergaben dargebracht wurden. Es war vor allem für gekochten Reis, Hirse und Getreide aller Art bestimmt. Seine beiden Henkel sind als Drachenwesen gestaltet. Der Gefässbauch zeigt stilisierte Tierreliefs vor dicht graviertem Grund. | China, 11.–10. Jahrhundert v. Chr., Bronze, gegossen, H. 14 cm, Inv. Nr. 8.397.01

Seidendecke

Bereits lange vor unserer Zeitrechnung blühte die Seidenweberei in China. Die komplex gemusterten Stoffe zeigen kleinteilige, vielfach variierte Muster mit stilisierten Drachen, Vierfüsslern und Vögeln. Farbige Streifen verleihen dem Muster zusätzliche Dynamik, wobei die orangeroten Fäden mit Zinnoberpigment eingefärbt wurden. Mehrere aneinandergenähte Stoffbahnen bildeten eine grosse Decke, die ursprünglich wattiert und gefüttert war. | China, Zeit der Streitenden Reiche, 4.–3. Jahrhundert v. Chr., Seidengewebe (Kettkompositbindung), Höhe Musterrapport 4 cm, Inv. Nr. 5302/5304

Gewandfragment

Das nur teilweise erhaltene Gewand lässt sich nicht mehr in seiner dreidimensionalen Form rekonstruieren. Das Seidengewebe wird bevölkert von Vierfüsslern und Vögeln in einer stilisierten Bergketten- oder Wolkenband-Landschaft, die an das Paradies gemahnt. Dazwischengestreut sind chinesische Schriftzeichen. Sie drücken Hoffnungen und gute Wünsche aus und verstärken die visuelle Botschaft der Darstellungen in formelhafter Weise. | China, Östliche Han-Dynastie, 1.–2. Jahrhundert, Seidengewebe (Kettkompositbindung), Höhe Musterrapport 8,5 cm, Inv. Nr. 5301/5303/5336

Fragment eines Rockes

In leuchtendbunter Farbigkeit schreiten ornamental stilisierte Hirsche in Prozession hintereinander her. Jeder zweite trägt einen Vogel auf dem Rücken, der, ambivalent, auch als Flügel verstanden werden kann, der in einem Vogelkopf ausläuft. Vergleichbare Wirkereistreifen und vollständig erhaltene Röcke wurden im Gräberfeld von Shanpula am Südrand der Taklamakan-Wüste gefunden. | Östliches Zentralasien (Xinjiang), 3.–1. Jahrhundert v. Chr., Wolle (Schlitzwirkerei, Diagonalgeflecht), H. 51 cm, B. 102,5 cm, Inv. Nr. 5157

Wirkereistreifen mit Reitern

Höchst ungewöhnlich ist der Bogenschütze zu Pferd, der ein geflügeltes Fabelwesen mit Tierkörper und bärtigem Menschenkopf verfolgt und dabei von einem Raubvogel begleitet wird. Die Darstellung beruht auf mythologischen Traditionen Westasiens, hat hier aber eine der Steppenkultur angepasste Form gefunden, ausdrucksvoll stilisiert und gleichzeitig, zum Beispiel in der Kleidung des Reiters, erstaunlich realitätsnah. | Östliches Zentralasien (Xinjiang), 1.–3. Jahrhundert, Wolle (Schlitzwirkerei, Diagonalgeflecht), H. 47 cm, B. 92 cm, Inv. Nr. 5138

Stickerei mit Enten

Reihen von Enten sind auf einen Ton in Ton gehaltenen, damastartigen Grundstoff gestickt. Warum sie auf Teilen des Tuches um 90 Grad gedreht wurden, ist unbekannt. Denkbar wäre allenfalls, dass die Streifen zum Auseinanderschneiden und zur liegenden bzw. stehenden Verwendung gedacht waren. Am rechten Rand, der originalen Stickereikante, befindet sich der einzige andere Vogel, vielleicht ein Pfau. | Östliches Zentralasien, 7.–8. Jahrhundert, Seidenstickerei auf Leinwand-Köper-Damast, H. 52,5 cm, B. 131,5 cm, Inv. Nr. 4902

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Kamelführerstoff

Neben ruhenden Löwen und Elefanten zeigt das Muster dieses Stoffes auch Kamelführer. Sie sind mit dem chinesischen Schriftzeichen 胡«hu» bezeichnet, das in der Regel mit «Barbar» übersetzt wird, aber in einem weiteren Sinne für die Nachbarvölker im Westen generell stehen konnte. Vielleicht stellt das Bild einen der Händler auf der Seidenstrasse dar. Schwer beladene Kamele wurden in der Tang-Zeit zum Symbol für Luxusgüter, die aus dem Westen kamen, so dass eine solche Darstellung auf einem Seidengewebe dessen Kostbarkeit geradezu potenziert. | China, Nördliche Dynastien oder Sui-Dynastie, 5.–7. Jahrhundert, Seidengewebe (Kettkompositbindung), H. 19,5 cm, B. 39 cm, Inv. Nr. 5269 a–c

Spätantike

Der spätantike Mittelmeerraum war die Wiege der christlichen und islamischen Kultur

Während des Übergangs von der Antike zum Mittelalter, also vom 3. bis 6. Jahrhundert, war die Kunst des Mittelmeerraums geprägt durch das Nebeneinander und die gegenseitige Beeinflussung verschiedener Kulturen und Religionen. Entsprechend vielfältig sind ihre Techniken, Formen und Bildtraditionen. In der Abegg-Stiftung wird diese Fülle durch einen reichen Bestand an spätantiken Textilien repräsentiert. Am beeindruckendsten sind zweifelsohne die monumentalen Wandbehänge, die Figuren aus der griechisch-römischen Mythologie oder Szenen aus dem Alten Testament zeigen.

Dionysosbehang

Die monumentale Bildwirkerei ist ein herausragendes Zeugnis für die Ausstattung spätantiker Innenräume. Sie diente einst als Wandbehang in einem römischen Privathaus oder einem Kultgebäude. Das Bildprogramm zeigt Dionysos, den griechischen Gott des Weins und der Ekstase, mit seinem Gefolge unter reich geschmückten Bogenstellungen. Der Dionysoskult war in der Spätantike weit verbreitet. Er versprach seinen Anhängern ein Weiterleben nach dem Tod. Zugleich brachte er den Wunsch nach einem Leben in Glück und Überfluss zum Ausdruck. | Ägypten, 4. Jahrhundert, Wollwirkerei auf Leinengrund, H. 210 cm, B. ca. 700 cm, Inv. Nr. 3100a

Artemisbehang

Im Zentrum des Behangs steht Artemis, die Göttin der Jagd, in ihrem Tempel. Die Göttin erscheint eilend, mit weitem Ausfallschritt, und ist mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Die Darstellung ist in Reservetechnik ausgeführt. Dabei wurde ein leichtes, dünnes Leinengewebe mit einer Paste aus Harz und Wachs bemalt. Anschliessend wurde der Stoff in ein Färbebad getaucht, wobei die bemalten Stellen keine Farbe annahmen und hell ausgespart blieben. Die Technik erlaubte es, die Darstellung von beiden Seiten des Behanges zu betrachten. | Ägypten, 4.–6. Jahrhundert, Leinengewebe, Reservetechnik, H. 194 cm, B. ca. 600 cm, Inv. Nr. 1397

Salbgefäss

Das kleine, dünnwandige Gefäss hat eine einfache zylindrische Form mit flachem Fuss, schmalem Hals und feinen, spitzen Henkeln. Es wurde aus einem Block glasklaren Bergkristalls geschliffen und ist mit einem goldenen Stöpsel als Verschluss versehen. Feine Goldketten dienen zum Aufhängen. Der kostbare Behälter dürfte einst im Besitz einer reichen Römerin gewesen sein. Er war vermutlich zur Aufnahme duftender Salben und Essenzen bestimmt. | Östlicher Mittelmeerraum, 1. Jahrhundert, Bergkristall, Gold, H. 8,4 cm, Inv. Nr. 9.45.81

Nilseide

Das Muster der Seide zeigt den phantastischen Triumphzug des Nil, dessen Schwemme in Ägypten jedes Jahr feierlich begangen wurde. Der Nil erscheint als Personifikation in bärtiger, beleibter Gestalt. Er sitzt in einem Wagen, der von Kindern an Girlanden gezogen wird. Davor sind Delphine, Krokodile, Meerungeheuer und Wasservögel dargestellt. Zwischen ihnen tummeln sich Fische und kleine Eroten, die angeln, rudern oder auf Nilpferden reiten. | Ägypten oder östlicher Mittelmeerraum, Anfang 4. Jahrhundert, Seidengewebe (Samit), H. 82 cm, B. 111 cm, Inv. Nr. 2187

Erotentunika

Für die Herstellung von Textilien wurden in der Spätantike vor allem Leinen und Wolle verwandt. Seide war ein Luxusgut, das bis ins 6. Jahrhundert aus China importiert werden musste. Die Fragmente der Tunika gehören zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen spätantiker Seidengewänder. In ihnen erreichte der spätantike Kleiderluxus seinen Höhepunkt. Das Muster zeigt kreisrunde Rankenmedaillons mit kleinen Eroten, die Früchtekörbe, Tiere oder Musikinstrumente in den Händen halten. | Ägypten oder östlicher Mittelmeerraum, 1. Hälfte 4. Jahrhundert, Seidengewebe (Samit), H. 154,5 cm, B. 100,5 cm, Inv. Nr. 3945

Behang mit Szenen aus dem Alten Testament

Der Wandbehang gehört zu den wenigen Zeugnissen der Malerei auf Textil, die aus der Spätantike überliefert sind. Das Leinentuch wurde im Ganzen dunkelblau gefärbt und anschliessend in Weiss, Gelb, Rot und Braun bemalt. Die Malereien zeigen Ereignisse des Alten Testaments. Die Szenenfolge beginnt mit der Erschaffung Adams und Evas im Paradies und reicht bis zur Errettung der Israeliten nach dem Durchzug durch das Rote Meer. Sie bildet einen der frühesten erhaltenen ausführlichen Bilderzyklen des Alten Testaments. | Ägypten, 2. Hälfte 4. Jahrhundert, Leinengewebe, Temperamalerei, H. 146 cm, B. 436 cm, Inv. Nr. 4185

Lampe

Das becherartige Gefäss diente wohl als Lampe zur Beleuchtung des Altars. Bei dieser Lampenform wurde zunächst Wasser eingefüllt, anschliessend wurde Öl aufgegossen und ein Docht mit einem Schwimmer eingesetzt. Die umlaufende Inschrift am oberen Rand nennt einen römischen Beamten namens Sergius als Stifter. Er hatte die Lampe zur Einlösung eines Gelübdes für sich und seine Familie anfertigen lassen. Derartige Opfergaben waren Geschenke an die Kirche – als Zeichen des Dankes für die Errettung aus einer Notlage. | Syrien (Antiochia), 574–578, Silber, getrieben, vergoldet, nielliert, H. 14,5 cm, Inv. Nr. 8.114.64

Flügelpferdbehang

Der Behang zeigt ein Muster aus Rankenmedaillons mit Flügelpferden. Die Tiere sind jeweils mit einer streng geometrischen Fellzeichnung versehen und tragen weisse, flatternde Bänder um Nacken und Fesseln. Muster und Motive des Behangs gehen auf Vorbilder spätantiker Seidengewebe zurück, wie sie vor allem im sasanidischen Persien hergestellt wurden. Seit dem 3. Jahrhundert war dort unter der Herrscherdynastie der Sasaniden ein neues Grossreich entstanden, dessen Kunst und Kultur auf den gesamten Orient ausstrahlte. | Ägypten oder östlicher Mittelmeerraum, 4.–6. Jahrhundert, Wollwirkerei, H. 250 cm, B. 158 cm, Inv. Nr. 2191

Hochmittelalter

Das hochmittelalterliche Europa war fasziniert von Byzanz und dem Orient

Bei der klerikalen und weltlichen Obrigkeit des hochmittelalterlichen Europa galten farbenprächtige Seiden als kostbare Statussymbole. Da bis ins 13. Jahrhundert keine westliche Werkstatt solche Stoffe herstellen konnte, wurden sie aus Byzanz, dem Orient oder aus dem islamischen Spanien importiert. Viele dieser seltenen Luxusgewebe haben sich im Zusammenhang mit dem christlichen Reliquienkult erhalten. Die Abegg-Stiftung besitzt eine bedeutende Sammlung derartiger früher Seidenstoffe.

Vitaliskasel

Die Kasel stammt aus der Benediktinerabtei St. Peter in Salzburg, wo sie als Messgewand des heiligen Bischofs Vitalis verehrt worden war. Der grüne Seidenstoff zeigt ein Muster aus kreisrunden Medaillons, die mit Greifen- und Pantherpaaren gefüllt sind. Die Goldborten an Halsausschnitt und Mittelnaht sind mit Steinschmuck und Perlen verziert. Ihre kunstvolle Technik und die ferne Herkunft liessen östliche Seidenstoffe im Westen zu hochgeschätzten Kostbarkeiten werden, die ihren Trägern Würde, Rang und Ansehen verliehen. | Byzanz oder Vorderer Orient, 1. Hälfte 11. Jahrhundert, Seidengewebe (Samit), Brettchengewebe, Perlen, Steinschmuck, H. 152,5 cm, Inv. Nr. 232

Schale mit Falkner

Lüsterkeramiken mit figürlichen Szenen gehören zu den aussergewöhnlichsten Schöpfungen der ägyptischen Kunst unter der Dynastie der Fatimiden (969–1171). Für die Lüsterbemalung wurden Farben mit Silber- und Kupferanteilen verwandt, die das Gefäss mit einer dünnen, glänzenden Metallschicht überzogen. Die Malereien sind von grosser Lebendigkeit und Ausdruckskraft. Sie erscheinen als freie Pinselzeichnung, ausgespart vor lüsterfarbenem Grund. Ihr Thema – die Falkenjagd – spiegelt das Leben am fatimidischen Hof wider. | Ägypten, 10.–11. Jahrhundert, Irdenware, Lüsterbemalung, Dm. 24 cm, Inv. Nr. 3.101.68

Falknerstoff

Der Seidenstoff zeigt ein Muster aus grossen Achteckfeldern, in denen Reiter mit Falken zu seiten eines Rankenbaumes erscheinen. Die Darstellung zeichnet sich durch grossen ornamentalen Reichtum und Feinheit der Linienführung aus. Barttracht und Lockenfrisur der Reiter, der Schnitt ihrer Roben, die reich verzierten Stulpenstiefel sowie Satteldecke, Zaumzeug und Schmuck der Pferde sind mit grosser Freude am Detail wiedergegeben. | Iran, 11. Jahrhundert, Seidengewebe (Doppelgewebe, lanciert), H. 152 cm, B. 117 cm, Inv. Nr. 1143

Greifenstoff

Neben Byzanz und dem Orient war das islamische Spanien ein wichtiges Zentrum der mittelalterlichen Seidenweberei. In Almería, Granada und Córdoba entstanden Luxusstoffe, die auch im christlichen Teil Spaniens hoch geschätzt waren. Der Greifenstoff stammt aus dem Schrein der heiligen Librada in Sigüenza. Die Reliquien der Heiligen wurden zwischen 1147 und 1157 aus dem islamischen in den christlichen Teil Spaniens überführt. Der Greifenstoff gehörte zu den kostbaren Geweben, die dabei zur Umhüllung der Reliquien verwendet wurden. | Spanien, 1. Hälfte 12. Jahrhundert, Seidengewebe (Lampas), H. 137 cm, B. 59 cm, Inv. Nr. 2656/2660

Zwei Marien einer Kreuzigungsgruppe

Im Hochmittelalter war Limoges ein blühendes Zentrum zur Herstellung von kirchlichem Gebrauchsgerät mit emailliertem Dekor. Neben kleinformatigen Gegenständen wurden dort auch monumentale Reliquienschreine und Altarverkleidungen angefertigt. Das Relief der beiden trauernden Frauen gehörte einst zu einer Kreuzigungsszene, die neben den Marien auch Johannes unter dem Kreuz umfasste. Vermutlich war sie Teil einer Bilderfolge der Passion Christi, die auf einem Schrein oder Altarvorsatz mit Emailschmuck angebracht war. | Limoges, 1240–1250, Kupfer, getrieben, vergoldet, H. 24,1 cm, Inv. Nr. 8.59.63

Mitra aus Salzburg

Die Mitra ist ein bischöfliches Amtsinsigne, das auch Äbten zu tragen gestattet ist. Die Äbte der Salzburger Erzabtei St. Peter erhielten dieses Privileg 1231. Bei der Herstellung der Mitra scheint man gezielt auf bereits als alt und ehrwürdig geltende Textilien zurückgegriffen zu haben. Dies gilt sowohl für das weisse Hauptgewebe und zwei Sorten sehr feiner Goldborten, insbesondere aber für die Behänge aus einem starkfarbig gemusterten Brettchengewebe, das zentralasiatischen Ursprungs ist. | Salzburg, um 1231, Seide, Goldfäden, Silberperlen, H. 77 cm, Inv. Nr. 233

Krone der Hildegard von Bingen

Die Krone besteht aus weissen Seidenbändern mit gestickten Medaillons. Diese zeigen ein Lamm Gottes, zwei Engel, einen König und auf dem Scheitel ein Sinnbild der Dreifaltigkeit. Genau solche Bilder haben auch die Kopfbedeckungen, die Hildegard von Bingen in ihren Schriften als Schmuck der Jungfrauen beschreibt. Sie wurden über dem Schleier getragen. Die hier gezeigte Nonnenkrone ist die einzige erhaltene des Mittelalters. Sie ist einer jüngeren blauen Samthaube aufgesetzt. Damit konnte das textile Krönchen, das als Reliquie der hl. Hildegard von Bingen betrachtet wurde, den Gläubigen zur Verehrung gezeigt werden. | Bortenkrone: Kloster Rupertsberg, 1170er Jahre; blaue Samthaube: Trier, frühes 17. Jahrhundert, Seidenbänder, Goldborten, Stickerei mit Gold-, Silber- und Seidenfäden, H. 17 cm, Inv. Nr. 5257

Zentralasien

Das mittelalterliche Zentralasien und China schufen Seidenstoffe von unvergleichlicher Pracht

Ausgehend vom spätantiken Persien, hatten sich im mittelalterlichen Zentralasien und in Nordchina technisch und künstlerisch hochstehende Methoden der Metallbearbeitung, Glasherstellung und Seidenweberei entwickelt. Letztere zeichnet sich durch eine ungeheure Farbenpracht sowie durch aufwendig gestaltete Dekore aus. Besonders beliebt scheinen Medaillonmuster mit Tiermotiven gewesen zu sein. Aus diesen Stoffen wurden herrschaftliche Gewänder, Fahnen, aber auch Sattelbezüge gefertigt.

Löwenstoff

In grossformatigen Medaillons stehen majestätische Löwen, den Kopf dem Betrachter zugewandt. In den Halbkreisen der Medaillonrahmen dagegen rennen abwechselnd Raubtiere und Huftiere hintereinander her, vielleicht eine Jagd darstellend. Eine kurze, mit Tinte aufgeschriebene alttibetische Inschrift lässt annehmen, dass der Stoff im Zusammenhang mit einer Bestattung verwendet wurde. | Zentralasien, Mitte 8. bis Mitte 9. Jahrhundert, Seidengewebe (Samit), Medaillondurchmesser ca. 79 cm, Inv. Nr. 4864

Gelappte Schale

Unter der Herrscherdynastie der Sasaniden (224–642) entwickelte sich im spätantiken Persien eine verfeinerte höfische Kultur, deren Einflüsse bis nach China und Zentralasien reichten. Neben der Seidenweberei nahmen Metallkunst und Glasherstellung hohen Rang ein. Die flache, gelappte Schale zeigt die sasanidische Goldschmiedekunst auf ihrem Höhepunkt. Sie ist aussen abwechselnd mit feinen Riefen und schwarz ausgeschmolzenen Ornamenten verziert. Das Zentrum im Innern nimmt die Darstellung eines laufenden Ebers ein. | Iran, 5.–6. Jahrhundert, Silber, getrieben, nielliert, vergoldet, L. 24,6 cm, Inv. Nr. 8.123.65

Sattelbezug

Das dichte, schwere Seidengewebe ist mit nicht weniger als acht verschiedenen Farben gewebt und war einst kräftig bunt mit rotem Grund. Verantwortlich für das heutige, zu Beige verblasste Kolorit sind die sehr unstabilen verwendeten Färbemittel. Der eigentliche Sattel bestand aus Holz, die Sattelbögen muss man sich mit Metallbeschlägen geschmückt vorstellen. | Zentralasien, Ende 8. bis Mitte 9. Jahrhundert, Seidengewebe (Samit), L. 64 cm, Inv. Nr. 4866/4870/4906/4922

Wollgewebe mit Putten

Die zwei Abschnitte vom Vorderteil eines Gewandes wurden im Friedhof Yingpan (Xinjiang, China) gefunden. Stil und Motivwahl des Stoffes sind spätantik-hellenistisch beeinflusst, aber mit charakteristisch zentralasiatischen Elementen durchsetzt. Die Symbolik der Schmetterlinge jagenden Eroten und des Zweikampfes zwischen Adler und Schlange ist ganz auf Nachleben und Überwindung des Todes ausgerichtet. | Östliches Zentralasien, 5.–6. Jahrhundert, Wollgewebe (Taqueté), H. 114,5 cm, B. 44 und 54 cm, Inv. Nr. 5073/5175

Hirschenstoff

Kreismedaillons, klassischerweise gerahmt von Perlbändern, gelten als das wichtigste Gestaltungs- und Erkennungselement persischer Seidengewebe. In verschiedenen Abwandlungen prägten sie während Jahrhunderten die Seidenweberei von China bis Byzanz. Hier rahmen Ketten von Blütenknospen Paare von streng stilisierten Hirschen. Die leuchtendbunte, fast naive Farbgebung ist ungewöhnlich gut erhalten. | Zentralasien, 7.–8. Jahrhundert, Seidengewebe (Samit), H. 52 cm, B. 35,5 cm, Inv. Nr. 4901

Kopfbedeckung

Die hochaufragende Flügelkrone wurde einst nur von versteifenden Einlagen und mit Hilfe der Schleifenbänder in Form gehalten. Sie ist mit Phönixen geschmückt, die einer Flammenperle nachjagen. Der Phönix wird mit dem roten Vogel, dem Tier des Südens, identifiziert und steht für die Kaiserin, der er allerdings zur Zeit der Liao noch nicht allein vorbehalten ist. Die Krone wurde sicher von einer Frau getragen, von deren Kopfputz sich noch weitere, in Rot und Blau gehaltene Seidenschleifen erhalten haben. | Nordchina, Liao-Dynastie, 1. Hälfte 11. Jahrhundert, Seidengaze, bestickt mit vergoldeten Papierstreifchen und Seide, H. 72 cm, Inv. Nr. 5250

Robe mit Löwen und Drachenfischen

Das Mantelkleid ist nachweislich als äusserste von mehreren Gewandschichten getragen worden. Das mag seine Grösse, die für eine Frau viel zu voluminös erscheint, teilweise erklären. Wahrscheinlich wurde die Robe mit einem Gürtel geschlossen. Solche bestanden nicht selten aus Edelmetall und galten, wie Schmuck, als Statussymbole. Auf dem Seidengewebe fügen sich vier Löwen, die eine Flammenperle jagen, zu Medaillons; in den Zwickeln wenden sich vier Drachenfische einem Rautenornament zu. | Nordchina, Liao-Dynastie, 1. Hälfte 11. Jahrhundert, Seidengewebe (beidseitig schusswirkender Samit), wattiert und gefüttert, H. 148 cm, Inv. Nr. 5239

Goldstoff mit Falkenpaaren

Für die Mongolen, die ab 1206 sukzessive China, Zentralasien und Persien unterwarfen, war Gold nicht nur ein überaus wertvolles Material, sondern auch die dem Herrscher zugeordnete Farbe, die tiefe, spezifisch kosmologische Bedeutung besass. Fast ausschliesslich golden war ursprünglich auch die Wirkung dieses Stoffes, bei dem der einst rote Grund nur noch kleinteilig-lineare Konturen und Restflächen bildet. | Ostiran oder Zentralasien, Ende 12. bis 1. Hälfte 13. Jahrhundert, goldgemustertes Seidengewebe (Lampas), H. 127 cm, B. 84 cm, Inv. Nr. 4905

Spätmittelalter

Europa im Spätmittelalter gab der Kirchenausstattung ein neues Gesicht

Im 14. und 15. Jahrhundert wurden Stoffe für neu zu fertigende kirchliche Textilien meist in Europa hergestellt. Vor allem in Italien entstanden mehrfarbige, reich gemusterte und mit Goldfäden durchsetzte Seidengewebe. Einen Aufschwung erlebte auch die Stickerei, die Figuren und Szenen der christlichen Tradition meisterhaft darzustellen verstand. Das Thema ergänzend, finden sich in der Dauerausstellung der Abegg-Stiftung einige ausgewählte Beispiele geschnitzter und gemalter Sakralkunst.

Pluviale mit Wurzel Jesse

Der zu Prozessionen und Weihehandlungen angelegte Mantel zeigt alttestamentliche Propheten und Könige, die in eingerollten Weinranken stehen. Die eigentliche Wurzel dieses Stammbaumes Christi mit dem träumenden Jesaja (Jesse) war einst auf der Rückseite zu sehen. Solch prächtige Gewänder mit Gold- und malerisch modellierender Seidenstickerei waren eine Spezialität der englischen Seidenhefter, die Päpste und Kirchenfürsten mit ihren Erzeugnissen belieferten, darunter auch den Salzburger Erzbischof Konrad IV. von Fohnsdorf (1291–1312). | England, um 1290–1300, Gold- und Seidenstickerei auf Leinen, H. 137 cm, Inv. Nr. 231

Bestickte Brettchenborte

Bei dieser Borte wirken Brettchenweberei und Stickerei in der Gestaltung zusammen. Von oben nach unten erscheinen die Märtyrer Laurentius und Stephanus sowie die Heiligen der grossen mittelalterlichen Ordensgemeinschaften, darunter Petrus Martyr und Dominikus, Bernhard von Clairvaux und Franziskus von Assisi, die auch mit ihren Namen bezeichnet sind. Bemerkenswert ist die ordensübergreifende Darstellung dieser Heiligen, die zum Teil erst vor kurzem heiliggesprochen worden waren. Dies spricht für eine klösterliche Herstellung und möglicherweise für eine Propagierung ihrer Heiligenkulte. | Rheinland (?), Ende 13. bis Anfang 14. Jahrhundert, Brettchengewebe, bestickt, H. 90 cm, B. 15 cm, Inv. Nr. 5542

Dalmatik aus Stralsund

Unterschiedlicher Herkunft sind die kostbaren Gewebe, aus denen dieses liturgische Gewand eines Diakons gefertigt wurde. Den Hauptstoff bildet ein italienischer Lampas mit Hunden sowie dem christologischen Motiv des Pelikans, der seine Jungen nährt. An den Ärmeln erscheint eine spanische Seide mit einer höfischen Devise, für die seitlichen Zwickel wurde ein chinesisches bzw. persisches Gewebe verwandt. Das zugehörige Gewand eines Subdiakons befindet sich in Stralsund, das einen grossen mittelalterlichen Paramentenschatz bewahrt. | Stralsund, 15. Jahrhundert bzw. Italien, China oder Persien, Spanien, 13.–14. Jahrhundert, Gewebe aus Gold- und Seidenfäden, H. 120 cm, B. 142 cm, Inv. Nr. 152

Seidengewebe

Zwischen stilisierten Landschaftsmotiven springt ein geschupptes Fabelwesen mit spitzen Ohren und gespaltenem Schwanz. Während die versetzte Anordnung der Bäume mit herzförmigen Blättern an herkömmliche Spitzovalmuster denken lässt, gewinnt der Dekor durch die diagonale Anordnung eines Baches und der von einem Wolkenband ausgeworfenen Strahlen eine aufsteigende Dynamik. Die detailreiche Silhouette des Tieres erinnert an chinesische Vorbilder, die Landschaftsmotive scheinen der persischen Buchmalerei entlehnt. | Italien, 2. Viertel bis 2. Hälfte 14. Jahrhundert, Gewebe aus Gold- und Seidenfäden, H. 41 cm, B. 32 cm, Inv. Nr. 456

Thronende Madonna mit Kind

Mit leicht geneigtem Kopf blickt die Gottesmutter auf das auf ihrem Schoss sich räkelnde, unbekleidete Christuskind. In zärtlicher Verlobungsgestik hält ihre Rechte die seine. In subtiler Anspielung auf seinen späteren Opfertod greifen die Finger ihrer Linken zupackend in sein sinnlich nachgebendes Fleisch. Die auch Hans Multscher (1400–1467) zugeschriebene Skulptur verbindet den Farbkanon und die Eleganz der Kunst des Schönen Stils um 1400 mit einer reduzierten, aber nicht minder ergreifenden Formgebung. | Mittelrhein, um 1425/30, Nussbaum- und Nadelholz, gefasst, H. 67 cm, Inv. Nr. 11.44.75

Kaselkreuz mit Kreuzigung Christi

Der gestickte Besatz steht ganz in der Tradition von Kreuzigungsdarstellungen, die den Glaubensgrundsatz von der Wandlung von Brot und Wein zu Christi Leib und Blut thematisieren: Drei Engel fangen das Blut des Gekreuzigten in Kelchen auf; darunter erscheint der gute Hauptmann, der ihn als Gottessohn erkennt. Diese Motive entsprechen denn auch der Funktion des Gewandes als priesterlichem Kleidungsstück für die Messfeier. Die ausserordentlich feine Stickerei mit Gold-, Silber- und Seidenfäden besticht in ihren Lasureffekten und schliesst damit an die burgundische Stickerei des 15. Jahrhunderts an. | England, 3. Viertel 15. Jahrhundert, Stickerei in Gold- und Seidenfäden auf Leinen, H. 115, B. 61 cm, Inv. Nr. 5527

Triptychon mit der Kreuzigung Christi

Rogier van der Weyden, Werkstatt, 1440–1445
Die Kreuzigungsgruppe der Mitteltafel entstand unter Verwendung einzelner Motive aus früheren Werken Rogier van der Weydens. Durch die expressive Gestik der Personen wird die Darstellung des Geschehens hier ins Dramatische gesteigert. Die Gewänder zeigen reiche italienische Samtgewebe und feines niederländisches Leinen. Der Flügelaltar hing ehemals in der Dominikanerkirche von Chieri im Piemont. Auftraggeber war ein Mitglied der Bankiersfamilie de Villa; der Stifter ist auf dem linken Seitenflügel mit seinem Wappen dargestellt. | Öl auf Holz, H. 103,5 cm, Inv. Nr. 14.2.63

Samtgewebe mit grosser Ranke

Stilisierte Granatäpfel gehören zu den typischen Motiven italienischer Gewebemuster des Spätmittelalters. Während andere Samte jedoch häufig nur stilisierte Umrisse von Granatäpfeln zeigen, sind die Früchte hier plastisch erkennbar. Durch die stellenweise Überlagerung der Zweige und die in zarten Linien angedeutete Rundung der Früchte entsteht ein Eindruck räumlicher Tiefe. Italienische Samtgewebe mit Goldbroschierung waren kostbare Exportgüter und wurden in Gemälden südlich und nördlich der Alpen dargestellt. | Italien, Mitte 15. Jahrhundert, Seide, Metallfäden, H. 100 cm, Inv. Nr. 818

Renaissance – Barock

Von der Renaissance bis zum Barock entstanden Meisterwerke des höfischen Lebensstils

In diesen beiden Epochen entwickelte sich in den Fürstenhäusern Europas eine rege Sammeltätigkeit. Neben allen Wundern der Natur und Wissenschaft richtete sich der Blick auf zeitgenössische, oft das höfische Leben spiegelnde Kunstwerke. Die Abegg-Stiftung bietet einen kleinen, aber feinen Überblick über das adlige Kunstinteresse jener Zeit. Erstklassig und umfangreich ist zudem der Bestand an Seidenstoffen aus Italien und Frankreich, die für Gewänder oder die Innenausstattung von fürstlichen Interieurs verwendet wurden. Aber auch osmanische und persische Gewebe des 16. und 17. Jahrhunderts finden sich in der Sammlung.

Betnüsse

Aufgeklappt zeigt die Kugel unten den Tanz der Maria Magdalena mit einem Edelmann nach einem Stich des Lucas van Leyden von 1519. Oben erscheint Christus zu Besuch im Hause Marthas. Während diese den Gast mit Eifer bewirtet, lauscht ihre Schwester Magdalena nur andächtig seinen Worten. Magdalena repräsentiert die fromme Andacht, zu deren Anregung auch dieser Anhänger an einem Rosenkranz diente. Ebenso faszinierte diese virtuose Miniaturschnitzerei fürstliche Sammler, die zu dieser Zeit begannen, ihre Kunstkammern zusammenzutragen. | Südliche Niederlande, nach 1519, Buchsbaumholz, Dm. 6,5 cm, Inv. Nr. 7.15.67

Wachsbildnisse

Antonio Abondio, um 1575
Die Portraits zeigen Erzherzog Karl II. von Innerösterreich und seine Gemahlin Maria, die in Graz residierten. Abondio setzte als erster Künstler nördlich der Alpen die Wachsmodellierung nicht ausschliesslich zur Fertigung von Modellen für Medaillen ein, sondern erhob Wachsbildnisse zu einer eigenständigen künstlerischen Gattung. In vergoldete Kupferkapseln montiert, wurden die Kleinportraits gerne als Geschenke an Familienmitglieder gereicht. | Pigmentiertes Wachs, H. 13,5 cm, Inv. Nrn. 9.7.63 und 9.8.63

Traubenpokal

Silbervergoldete Prunkgefässe wurden anlässlich bedeutender Ereignisse gefertigt und als Erinnerungsstücke aufbewahrt. An fürstlichen Höfen und in bürgerlichen Häusern präsentierte man sie auf einer Tafel oder einem mehrstufigen Büffet. Anhand der aufgebrachten Meistermarken lassen sich Herkunft und Künstler bestimmen. Der getriebene Buckeldekor des Pokals zählt zu den anspruchsvollsten Techniken der Goldschmiedekunst. Freiplastische Figurengruppen, den Sündenfall und den heiligen Christophorus darstellend, schmücken Fuss und Deckel. | Nürnberg, Georg Rühl d. Ä., um 1603, Silber, getrieben, vergoldet, H. 48,5 cm, Inv. Nr. 8.75.63

Christus in der Vorhölle

Jan Brueghel der Ältere, 1593
Die Szene mit dem Eintritt Christi in die Vorhölle erscheint weit links am Bildrand. Gleichwohl gelingt dem Maler durch die kontrastreiche Lichtführung und die Bewegungsrichtung der Figuren eine Konzentration der Komposition auf das inhaltlich Wesentliche. Die Tafel entstand während eines Aufenthaltes des Malers in Rom und zählt zu seinen frühesten signierten Werken. Mit ihren fabeltierartigen Bewohnern erinnert die Höllenlandschaft an Gemälde von Hieronymus Bosch. | Ölhaltige Farbe auf Kupfer, H. 25,6 cm, Inv. Nr. 14.119.72

Samtgewebe mit Pinienzapfen

In der Webtechnik sind osmanische Seidensamte europäischen Samten sehr ähnlich. Ihre Muster unterscheiden sich jedoch von Granatapfelsamten italienischer Tradition. Der Seidensamt mit in Reihen angeordneten Pinienzapfen beeindruckt durch die schlichte Eleganz und ruhige Ausstrahlung seines Dekors. Mit ihren gleichförmigen Konturen scheinen die Pinienzapfen vor dem roten Samt zu schweben. Gelbe Stege und rote Punkte ahmen die natürliche Oberfläche von Pinienzapfen nach. | Osmanisches Reich, 16. Jahrhundert, Seide, Metallfäden, H. 113 cm, Inv. Nr. 5430

Gewebe mit Blumen und Vögeln

Das feine Gewebe, dessen Grund ganz mit Goldfäden bedeckt ist, entstand vermutlich in Persien unter der Herrschaft der Safawiden (1501–1722). Die naturgetreue Darstellung der Rose und des Vogels deutet jedoch bereits auf den gegen Ende dieser Epoche einsetzenden Einfluss europäischer Bildvorlagen und botanischer Illustrationen auf die persische Kunst. Orientalische Luxusgewebe waren in Europa bereits seit dem frühen 17. Jahrhundert begehrte Sammlerstücke. | Persien, spätes 17. Jahrhundert, Seide, Metallfäden, H. 72 cm, Inv. Nr. 5411

Gewebe mit bizarrem Muster

Die phantasievollen, häufig schwer zu beschreibenden Muster der sogenannten bizarren Seiden spiegeln den Einfluss fernöstlicher Vorbilder, die seit dem 17. Jahrhundert durch ostindische Handelskompanien nach Europa gelangten. Die asymmetrische Komposition mit diagonal angeordneten Motiven ist durch asiatische Gestaltungsprinzipien geprägt. Der schimmernde grüne Damastgrund des Gewebes erscheint als eine Folie, vor der sich die an exotische Meerestiere und Seetang erinnernden Motive bewegen. | Frankreich oder Italien, um 1700, Seide, Metallfäden, H. 95,5 cm, Inv. Nr. 260

Close up

Gewebe mit Fasan und Schwan

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts treten eigens für die Innendekoration konzipierte Seidengewebe mit grossen bildhaften Motiven auf, die sich über die gesamte Webbreite ausdehnen. Dazu gehört diese Bahn einer Wandbespannung nach dem Entwurf von Philippe de Lasalle, der in Lyon als Entwurfskünstler, Ingenieur und Fabrikant wirkte. Kaiserin Katharina die Grosse von Russland liess einen Salon ihrer Sommerresidenz in Zarskoje Selo nahe St. Peterburg mit Seiden dieses Musters ausstatten. | Frankreich (Lyon), um 1770–1775, Seide, H. 192 cm, Inv. Nr. 5064