Bestandskatalog «Bildstickerei des 16. Jahrhunderts»


Der Bestand figürlicher Stickereien des 16. Jahrhunderts umfasst etwa 35 Objekte unterschiedlicher Funktionen, Kontexte und Anspruchsniveaus. Ein Triptychon aus den Niederlanden und Besätze liturgischer Gewänder aus Spanien, Italien, Frankreich, den Niederlanden sowie dem deutschen Sprachraum sind in elaborierten Techniken mit Seiden- und Goldfäden gearbeitet. Hinzu kommen Gewandteile zur Ausstattung des ostkirchlichen Ritus – ebenfalls in reicher Goldstickerei ausgeführt. Leinen- und starkfarbige Wollstickereien, die der repräsentativen Ausstattung Schweizer Bürgerhäuser dienten, komplettieren die Sammlung.

Die Werke werden nach ihrer materiellen und technischen Beschaffenheit untersucht und in ihren Bildprogrammen diskutiert. Ihre stilistische Erscheinung erlaubt eine zeitliche und räumliche Einordnung. Dies erfordert angesichts des weiten Herstellungsraums eine breite kunsthistorische Perspektive, die auch andere Gattungen, vor allem Malerei und Druckgraphik, einbezieht. Seltene Archivfunde ermöglichen bei zwei liturgischen Gewändern aus Valencia die Umstände der Herstellung und weiteren Überlieferung en detail nachzuvollziehen. Somit ergeben sich wichtige Anhaltspunkte auch für Objekte, über die kaum etwas bekannt ist.

Das Projekt versteht sich als Fortsetzung zum Bestandskatalog «Mittelalterliche Textilien III: Stickerei bis um 1500 und figürlich gewebte Borten».

Prof. Dr. Evelin Wetter
Kuratorin für Textilien des 13.–16. Jahrhunderts

Projektbeteiligte:

Dr. Caroline Vogt, Textilrestauratorin
Caroline Pilière, Textilrestauratorin

Gestickter Rückenschild, Valencia, 3. Viertel 16. Jahrhundert, Seide und Metallfäden, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 881 | Das so geschmückte Pluviale stammt aus der Pfarrkirche St. Nicolaus und St. Petrus Martyr in Valencia. Die Stickerei zeigt zwei Szenen aus der Vita der Kirchenpatrone, die zudem mit ihren typischen Attributen ausgezeichnet sind.