Sonderausstellung

Sonderpräsentation

Arabische Weber – Christliche Könige. Mittelalterliche Textilien aus Spanien

26. April bis 8. November 2020

Vom 8. Jahrhundert bis 1492 herrschten muslimische Dynastien über weite Teile Spaniens. Die christlichen Könige im Norden standen mit ihnen in dauerndem Konflikt, bedienten sich aber zugleich gerne der prächtigen Stoffe muslimischer Weber. Sie liessen daraus weltliche und kirchliche Gewänder schneidern. Die ausgestellten Textilien sind bedeutende historische Quellen und Zeugen eines regen kulturellen Austauschs.

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Seiden aus Almería Chronisten der muslimischen Welt und Dichter des christlichen Europa schwärmen von ihnen. Die Stoffe zeigen grosse Medaillons mit Adlern oder Mischwesen, vielfach auch arabische Segenswünsche. Als Kriegsbeute, diplomatisches Geschenk oder Handelsware wechselten sie den Besitzer. Überliefert sind sie vor allem als kostbare Hüllen für die Reliquien christlicher Heiliger. | Adlerstoff, Almería, 1. Hälfte 12. Jahrhundert, Seidengewebe, Inv. Nr. 2655a-e/2659

Wappenstoffe Seit 1230 waren die Königreiche Kastilien und León endgültig vereint. Die Mitglieder der königlichen Familien pflegten ihren Herrschaftsanspruch durch kostbare Wappenstoffe geltend zu machen. Von muslimischen Webern hergestellt, wirken die heraldischen Tiere mitunter sehr orientalisch. | Stoffreliquie vom Grabmantel König Fernandos III., Spanien, 1. Hälfte 13. Jahrhundert, Seidenwirkerei, Inv. Nr. 3967

Textiler Schmuck der Alhambra Neben ornamentalen Stuckdekorationen, bunten Wandfliesen und komplexen Schnitzarbeiten fanden sich in den Räumen muslimischer Eliten auch farbenfrohe Seidenbehänge: Poetische Textpassagen verbinden sich mit raffinierten geometrischen Flächendekoren. In Anlehnung an den Nasridenpalast in Granada heissen sie auch «Alhambra- Stoffe». | Abschnitt eines seidenen Behangs mit geometrischen Formationen und Inschriften, Granada, 14.–15. Jahrhundert, Inv. Nr. 211

Kirchliche Prachtentfaltung Nachdem 1492 der letzte Emir, Muhammad XII., die Alhambra geräumt hatte, zog das Königspaar Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien feierlich in Granada ein. Der erfolgreichen Eroberung setzten sie mit kirchlichen Stiftungen prächtige Denkmale. Auch im übrigen Spanien fanden reiche textile Schenkungen Eingang in Kathedralen, Kloster- und Pfarrkirchen. | Verkündigungsengel, Barcelona (?), um 1410–1430, Gold- und Seidenstickerei auf Leinengewebe, Inv. Nr. 100